Geschichtsabriss des Schlossparks

Verschlungene Wege, Licht und Schatten, die einander abwechseln, weite Wiesen, von Bäumen begrenzt. Palmen zwischen Blumenrabatten, leises Plätschern eines Wasserfalls. Darüber erhebt sich ein runder Tempel, ein Bauwerk aus einer längst vergangenen Zeit. Der Schlosspark in Eisenstadt ist ein landschaftliches Kleinod, das auf mehrere Jahrhunderte zurückblickt. In dieser Zeit hat der Park zahlreiche Umgestaltungen erfahren, ehe er schließlich zu dem herrlichen Landschaftsgarten umgestaltet wurde, als der er sich heute präsentiert.

Manieristischer Garten

Zu Beginn des Schlossparks stand jedoch ein Nutzgarten: Von einem „Holz-Belz-Garten“ – einem Garten, in dem Obstbäume veredelt, also „gebeltz“, wurden –, von einem Tiergarten und von einer „Haus-Mühl“ berichten die Herrschaftsurbare von 1569 und 1589. Als 1622 Graf Nikolaus Esterházy (1582-1645) die Herrschaften Forchtenstein und Eisenstadt als Pfand erhielt, ließ er nördlich der mittelalterlichen Burg erst einen Blumengarten und später einen manieristischen Garten errichten. „Es blühen jetzt Rosen und sonstige Blumen, ich wollte Du kämest bald sie zu pflücken“, schrieb er an seine zweite Gattin Christina Nyáry.

Rokoko-Garten

Im Frühbarock des ausgehenden 17. Jahrhunderts war der Garten im Stil des „horto italico“, des italienischen Gartens, gestaltet. Rasterförmig angelegte Wege, von geometrischen Zierbeeten unterbrochen, gliederten den Grünraum hinter dem Schloss. Fürst Paul II. Anton (1711-1762) berief schließlich den Gartenarchitekten Louis Gervais aus Lothringen nach Eisenstadt. Die mittelalterliche Burg war damals schon zu einer barocken Fürstenresidenz ausgebaut worden. Ein Graben zeugte noch von ihrer einstigen Funktion. Eine Zugbrücke über den ehemaligen Burggraben, von einem Mann bedient, spannte den Bogen von der Residenz in den Park, der nun unter Gervais im Stil der Zeit umgebaut wurde. Der Park selbst war mit ornamentalen Blumenbeeten und in Form geschnittenen Bäumen und Sträuchern angelegt. Ab 1776 wurde unter Matthias Pölt mit der Planung der Orangerie begonnen.

Landschaftsgarten

Die Pläne von Matthias Pölt dienten später als Vorlagen für die weitere Planung von Charles Moreau. Nikolaus II. (1765-1833) hatte den französischen Architekten nach Eisenstadt berufen, um das barocke Schloss im Zeichen des Klassizismus umzugestalten. Auch der Garten sollte eine Umwandlung erfahren. Er wurde durch Grundablöse in Richtung Nordosten erweitert und in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt. Die Strenge des Rokoko-Gartens wich einer scheinbaren Zufälligkeit. Hinter dem Schloss entstand eine „arkadische Landschaft“ mit einem Rundtempel, mit Felsen, Wasserfall, Kaskaden und wohldurchdachter Bepflanzung. Um die höher gelegenen Teiche mit Wasser befüllen zu können, kaufte Nikolaus II. in England eine Dampfmaschine – sie war die erste in der Donaumonarchie – und ließ sie 1804 im eigens dafür errichteten Maschinenhaus aufstellen. In einer mehrstufigen Orangerie waren seltene Pflanzen untergebracht, und so schuf Charles Moreau für Nikolaus II. einen Landschaftsgarten, der „an Reichtum und Kostbarkeit der Gewächse alle übrigen Gärten in Österreich und Ungarn, selbst die kaiserlichen Gärten vielleicht nicht ausgenommen“ übertreffe, wie Johann Leopold Stocz in einer Publikation über das Königreich Ungarn 1824 berichtete. Nördlich des Parks wurde ein kleines Jagdschloss erbaut, das den Namen Marientempel, später auch „Gloriette“, erhielt und das durch eine prachtvolle Allee mit dem Park verbunden war. Nikolaus II. verstarb 1833. Er hinterließ einen gewaltigen Schuldenberg und einen konstruierten Landschaftsgarten, den sich die Natur nach und nach zurückeroberte.

Revitalisierung um 1900

Bis auf wenige Arbeiten wurde der Garten – vor allem aus finanziellen Gründen – im 19. Jahrhundert weitgehend sich selbst überlassen. Erst um die Wende zum 20. Jahrhundert setzten Margit und Nikolaus IV. Esterházy (1869-1920) wieder gartenbauliche Akzente. Sie revitalisierten den „Pleasure Ground“, die gartenseitige Fläche direkt hinter dem Schloss. Fotos aus dieser Zeit zeigen Blumenrabatte und gepflegte Wiesen vor der Rampe zum Gartensaal. Sichtachsen wurden wieder hergestellt, Pflanzen nach- und auch neu gesetzt, die Teiche und Leitungen gereinigt und instand gesetzt, auch die Orangerie wurde revitalisiert. Margits und Nikolaus Sohn Paul V. (1901-1989) ließ in den 1920er Jahren den Baumbestand aufzeichnen und Entwürfe für eine Neugestaltung des Bereichs beim Maschinenteich anfertigen. Die Pläne wurden jedoch vermutlich aufgrund der instabilen politischen Situation nicht realisiert.

Verfall im 20. Jahrhundert

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Esterházy Domäne unter die Verwaltung der sowjetischen USIA gestellt, die 1951/52 ein Stadion und 1952/53 das städtische Freibad im Park einrichtete. 1969 wurde ein Großteil der Gewächshausanlagen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Stattdessen wurden Tennisplätze errichtet. Weite Teile des Parks wurden sich selbst überlassen. Sichtachsen verschwanden, unkontrollierter Pflanzenwuchs verwandelte viele Stellen im Park in Dickicht. In der Orangerie wurde ab den 1960er Jahren bis 2010 das Fest der 1000 Weine abgehalten.

Restaurierung durch die Initiative des „Vereins Freunde des Eisenstädter Schlossparks“

Im Jahr 1987 wurde rund um den Eisenstädter Arzt Dr. Franz Prost der „Verein Freunde des Eisenstädter Schlossparks“ gegründet, der es sich zum Ziel gesetzt hat, den historischen Landschaftsgarten zu restaurieren. In den rund drei Jahrzehnten des Bestehens wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um den Verfall des Schlossparks zu stoppen und seinen einstigen Zauber wiederherzustellen. Von 1992 bis 1998 wurden der Leopoldinentempel und der davor befindliche Teich restauriert. Auch die Felsenkulisse unterhalb des Tempels wurde wieder zugänglich gemacht. Der im Norden des Parks gelegene Obeliskteich wurde rekonstruiert und alten Vorlagen entsprechend mit Linden umpflanzt. Unterhalb des Obelisks, der den höchsten Punkt des Parks markiert, wurden Sichtachsen freigelegt, sodass sich heute hier wieder ein herrlicher Blick über die Ebene bietet. Des Weiteren wurde das Maschinenhaus renoviert.

2012 wurde vom Verein „Freunde des Eisenstädter Schlossparks“ mit Unterstützung der Raiffeisen Landesbank Burgenland und der Stadtgemeinde Eisenstadt auf der ehemaligen Parapluiewiese oberhalb des Marientempels (Gloriette) als weiterer Aussichtspunkt die Raiffeisen Jubiläumswarte eröffnet, zwei Jahre später wurde der Platz neben der Warte in Anspielung an das sich hier einst befindliche „Parapluie“ gestaltet und von einem Arboretum umgeben. 2015 wurde vom „Verein zur Pachtung, Erhaltung und Pflege des Esterházy’schen Schlossparkes Eisenstadt“ die Sanierung der Orangerie-Mauern durchgeführt, weitere Revitalisierungsmaßnahmen werden laufend vorangetrieben.

 Text: Brigitte Krizsanits,
©Verein Freunde des Eisenstädter Schlossparks

 

 

Literatur:
Franz Prost (Hg.): Der Natur und der Kunst gewidmet. Wien, Köln, Weimar 2005 (2. Auflage).
Verein „Freunde des Eisenstädter Schlossparks“: Spaziergang durch den Eisenstädter Schlosspark. Eisenstadt 2007.
Die mittelalterliche Burg von Eisenstadt und der dahinter liegende Wald, Braun/Hogenberg, 1617
Schloss Esterházy und Garten, Matthias Greischer, Ende 17. Jahrhundert
Der Plan des Rokoko-Gartens von Matthias Pölt zeigt die Größe des Parks vor der Erweiterung zum Landschaftsgarten. Gesamtansicht & Detailaufnahme, 1776
Entwurfsplan nach Charles de Moreau/Jacob Rauschenfels, 1807/1808
Ansichtskarte mit bepflanztem Parterre und Blick auf den Leopoldinentempel, 1910
Revitalisierter Leoplodinenteich mit Tempel, 2015
Orangerie, 2015
(Historische Ansichten und Pläne: © Esterházy Privatstiftung)